Alles rund um das Skispringen
A wie Anlauf
Das Wichtigste für die Weite ist die Geschwindigkeit, die Springerinnen und Springer aus dem Anlauf mitnehmen. Ein km/h mehr kann über einen Meter mehr Weite bedeuten. Auf der Gross-Titlis-Schanze werden rund 95 km/h erreicht. Beim Skifliegen sind es über 100 km/h.
B wie BMI (Body-Mass-Index)
Die BMI-Formel – Körpergewicht in kg geteilt durch die Körpergrösse in m im Quadrat – legt für alle Athletinnen und Athleten die maximale Skilänge individuell fest. Laut Reglement ist ein BMI von mindestens 21 nötig, um mit der maximalen Skilänge von 145 Prozent der Körpergrösse springen zu dürfen. Seit der Saison 2023/24 wird ohne Sprunganzug und Schuhe gewogen. Wer unter dem Wert liegt, muss kürzere Ski verwenden – und verliert damit Tragfläche.
C wie Continental Cup
Der Continental Cup ist eine internationale Wettkampfserie unterhalb des Weltcups und wird oft auch als die «Zweite Liga» des Skispringens bezeichnet.
D wie Disqualifikation
Wer gegen das Regelwerk des Internationalen Skiverbands FIS (siehe I) verstösst oder die Wettkampfregeln und Weisungen der Jury nicht befolgt, wird von der Jury sanktioniert. Häufigster Grund für eine Disqualifikation ist die Ausrüstung. Ist der Sprunganzug bei der Kontrolle zu gross, fällt der Sprung aus der Wertung. Seit der Saison 2025/26 gibt es dafür zusätzlich Karten wie im Fussball: Die erste Disqualifikation wegen Material bringt eine gelbe Karte, beim zweiten Verstoss folgt die rote und damit eine Sperre. Das Team darf den frei gewordenen Startplatz nicht nachbesetzen.
E wie Energie
Beim Absprung wandeln die Springerinnen und Springer die Geschwindigkeit des Anlaufs in Höhe und Weite um – in Sekundenbruchteilen entscheidet sich, wie weit ein Sprung geht.
F wie Flugkurve
Abhängig von Technik, Kraft und Körpergewicht unterscheiden sich die Flugkurven der Springerinnen und Springer. Den grössten Einfluss haben die Anlaufgeschwindigkeit und der aktuelle Wind.
G wie Gate-Faktor
Die Jury kann während eines Durchgangs die Anlauflänge verändern und so auf wechselnde Bedingungen reagieren. Damit der Wettkampf fair bleibt, wird das ausgeglichen: Wer von einer tieferen Startluke springen muss, erhält Zusatzpunkte, wer weiter oben startet, bekommt Punkte abgezogen. Auch der Wind wird verrechnet: Bei Rückenwind gibt es Punkte dazu, bei Gegenwind werden Punkte abgezogen.
H wie Haltungsnoten
Fünf Punktrichterinnen und Punktrichter aus verschiedenen Ländern vergeben je maximal 20 Punkte für einen Sprung. Sie beurteilen die Flugphase und vor allem die Landung.
I wie ICR
Die «International Competition Rules» sind das FIS-Regelwerk für Skispringen und definieren Abläufe, Technik und Ausrüstung.
J wie Jury
Die Jury besteht aus dem FIS-Renndirektor, dem Technischen Delegierten (TD) der FIS und dessen Assistenten sowie dem Wettkampfleiter des Veranstalters. Sie entscheidet unter anderem über die Anlauflänge und darüber, ob bei schwierigen Bedingungen gesprungen werden kann.
K wie Kalkulationspunkt
Der Kalkulationspunkt (K-Punkt) jeder Schanze ist die Grundlage für die Weitenpunkte. Auf der Gross-Titlis-Schanze liegt er bei 125 Metern (K 125): Wer genau so weit springt, erhält 60 Punkte. Für jeden Meter mehr gibt es 1,8 Punkte dazu, für jeden Meter weniger 1,8 Punkte weniger.
L wie Landung
Besonders gute Haltungsnoten gibt es, wenn Flug und Landung fliessend ineinander übergehen. Das ist bei Landegeschwindigkeiten von über 100 km/h gar nicht so einfach.
M wie Mattenspringen
Seit 1994 veranstaltet die FIS den Sommer-Grand-Prix – das Skispringen auf Matten. Die Anlaufspur besteht dabei aus Keramik, gelandet wird auf bewässerten Kunststoffmatten.
N wie Nachtspringen
Wettkämpfe unter Flutlicht sind in den letzten Jahren immer häufiger geworden. Ein Vorteil sind die oft ruhigeren Windverhältnisse am späten Nachmittag und frühen Abend. In Engelberg haben Nachtspringen Tradition: Bereits 1964 wurde hier unter Flutlicht gesprungen. Seit 2016 ermöglicht eine neue Flutlichtanlage auch auf der Gross-Titlis-Schanze Wettkämpfe am Abend.
O wie olympische Disziplin
Skispringen gehört seit 1924 zu den Olympischen Winterspielen. Die Frauen sind seit 2014 in Sotschi mit dabei, seit 2022 gibt es zudem einen Mixed-Teamwettkampf.
P wie Punktzahl
Gewertet wird jeder Durchgang. Von den fünf Haltungsnoten (siehe H) werden die beste und die schlechteste gestrichen, die drei mittleren werden zusammengezählt – maximal sind das 60 Punkte. Dazu kommen die Weitenpunkte (siehe K) sowie die Gutschriften oder Abzüge für Anlauflänge und Wind (siehe G).
Q wie Qualifikation
Seit der Saison 2017/18 müssen alle Athletinnen und Athleten durch die Qualifikation – auch die Besten des Weltcups. Bei den Männern schaffen es 50 in den Wettkampf, bei den Frauen 40.
R wie Rückenwind
Rückenwind ist unter Skispringerinnen und Skispringern unbeliebt, denn er nimmt ihnen den Auftrieb – getragen werden sie vom Gegenwind. In Engelberg herrscht nicht selten Rückenwind, weshalb die Trainerinnen und Trainer dem Windmesser jeweils grösste Aufmerksamkeit schenken. Die Besten können aber auch mit Rückenwind umgehen und springen trotzdem starke Weiten.
S wie Schanzentisch
Hier geht es um Sieg oder Niederlage. Denn nur wer optimal vom Schanzentisch abspringt, kann grosse Weiten erzielen. Dabei kommt es auf Technik, Sprungkraft und optimales Timing an. Die Neigung des Schanzentisches beträgt in der Regel zwischen 10,5 und 11,0 Grad. Mit sieben Metern ist der Engelberger Schanzentisch vergleichsweise kurz.
T wie Telemark
Eine Form der Landung, bei der ein Fuss etwa eine Schuhlänge vor den anderen gesetzt und das hintere Knie gebeugt wird. Benannt ist sie nach der norwegischen Region Telemark, wo sie im 19. Jahrhundert entstand. Ein sauberer Telemark bringt hohe Haltungsnoten.
V wie V-Stil
Der Schwede Jan Boklöv spreizte Ende der 1980er-Jahre als Erster seine Ski in der Luft zu einem V. Die anfangs heftig umstrittene Technik – die Punktrichter zogen ihm dafür Haltungsnoten ab – brachte ihm im Winter 1988/89 trotzdem den Gesamtweltcup. Der Schweizer Stefan Zünd gehörte zu den Ersten, die den V-Stil erfolgreich übernahmen, und fasste damit in der Weltelite Fuss. Nach Boklövs Erfolg löste der V-Stil den klassischen Parallelstil rasch ab.
W wie Weitenmessung
Die Sprungweite wird mit digitalen Kameras gemessen und per Computer ausgewertet – auf den halben Meter genau. Dieses System hat die Weitenrichter abgelöst. Führend auf diesem Gebiet ist Swiss Timing, das auch in Engelberg für die Weitenmessung und Auswertung verantwortlich ist.
X wie XXL
Beim Skifliegen auf den grössten Schanzen der Welt geht es weit über 200 Meter hinaus. Beide Weltrekorde gehören einer Familie, die auch in Engelberg Geschichte geschrieben hat: Domen Prevc flog 2025 in Planica auf 254,5 Meter, seine Schwester Nika Prevc 2026 ebenfalls in Planica auf 242,5 Meter.
Y wie Yellow Bib
Wer den Gesamtweltcup anführt, springt im gelben Leibchen – dem «Yellow Bib». So ist die aktuelle Nummer eins auch vom Publikum auf den ersten Blick zu erkennen.
Z wie Zeitlimit
Der Start ist in drei Phasen unterteilt, die von einer Ampel angezeigt werden. In der Rot-Phase bereiten sich die Athletinnen und Athleten auf den Sprung vor. Bei Gelb nehmen sie auf dem Startbalken Platz. Schaltet die Ampel auf Grün, bleiben ihnen zehn Sekunden, um den Balken zu verlassen. Werden die Bedingungen zu gefährlich, schaltet die Ampel zurück auf Rot.
















